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Birgit Graschopf

Exposed

Exposed

Ab 12. April präsentiert Birgit Graschopf unter dem Titel „Exposed“ Arbeiten aus Ihrem aktuellen Werk in der Galerie Haas & Gschwandtner in Salzburg. Die Vernissage findet am Freitag 12. April ab 18:00 Uhr statt. Die Künstlerin ist persönlich anwesend. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Birgit Graschopf, 1978 in Wien geboren, absolvierte das Fotografie-Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien. In ihrem aktuellen Werkschaffen verbindet sie das Medium der Fotografie mit Aspekten der Zeichnung, der Malerei und dem Stilmittel der Perforation und ergründet und erschließt auch mit der Präsenz des Körpers neue (öffentliche) Räume. Ihre Arbeiten und Wandbelichtungen finden sich u.a. in der Albertina in Wien und zahlreichen Privat- und Firmensammlungen, eine performative Wandbelichtung führte sie 2018 im Museum der Moderne Salzburg durch. Ihre neuesten Arbeiten auf Beton präsentiert sie, als letzte umfangreiche Schau in der Galerie Haas und Gschwandtner, die per Juli in die neuen 330qm großen Räumlichkeiten in der Neutorstraße ziehen wird.

Im Bereich der Fotografie steht das Wort „Exposed“ für das Belichten. Die Multibedeutung des Ausstellungstitels soll außerdem verschiedenste Facetten des Werkes von Birgit Graschopf aufzeigen. Im weiteren Sinne bedeutet es auch „ausgesetzt sein“. Ebenso der figürliche Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden. Das Wort „Pose“, das im Ausstellungstitel zu finden ist, spielt auf den Faktor der Inszenierung, einem wichtigen Arbeitsprozess im Schaffen Graschopfs, an.

Orte und Architektur. Wand, Beton und Schleifpapier
Es wird in der Galerie eine großformatige Wandbelichtung präsentiert, die auf einer Fotografie der Wohnanlage Gino Valles in einem Außenviertel Udines basiert. Die Architektur ähnelt auch jener der Galerieräume. Der Dialog der beiden Architekturen, in Udine und Salzburg, wird durch die Wandbelichtung aufgenommen. Konsequent setzt sie somit ihre Auseinandersetzung mit den Ausstellungsräumen fort. Die präzise Positionierung der Fotografie auf der zu belichtenden Wand in der Galerie schafft einen erweiterten Raum, spielt mit der Perspektive und lenkt die Blicke der Betrachter auf die Figur in der Fotografie. Birgit Graschopfs Wandbelichtungen haben einen malerischen Gestus, durch die Flüssigkeiten die verwendet und mit Hand auf die zu belichtende Fläche aufgetragen werden. Jede Wandbelichtung ist handgemacht, der Auftrag ist immer unterschiedlich und bestimmt so, wie das Foto gesehen wird. Manchmal ist dieser zu hell oder zu dunkel. Auf Fotopapier würde die Arbeit neu gemacht werden. Eine Wandbelichtung ist aber ein Unikat, ein individuelles Foto wird auf der feuchten Wand belichtet. Die Technik ist vergleichbar mit jener von Fresken. Bei näherer Betrachtung offenbart sich der Charakter des „Fotograffitis“ sowie die Imperfektion, die Unvollkommenheit: Spritzer, Kratzer, Ritzungen. Graschopf versteht Fotografie als ein nicht reproduzierbares Medium. Die Form der Wandbelichtung umgeht den Status der Kopierbarkeit, jede Umsetzung entwickelt sich anders und offenbart eine andere Version der ursprünglichen Fotografie. Alleine der Auftrag der Chemikalien und der Emulsion verhält sich bei jedem Durchgang unterschiedlich. Graschopfs Werke weisen somit immer den Charakter eines Unikats auf.

Teils schaurig-märchenhafte Bildräume entstehen in den Inszenierungen der Künstlerin. Diese belichtet sie bewusst auf ungewöhnlichen Materialien wie eben Wände, Beton und Schleifpapier. Sie benennt dies selbst als Verortungen von Zeit und Raum auf außergewöhnlichen Materialien. „Die Interaktion von Bild und Material erzeugt unterschiedliche Stimmungen, von geheimnisvoll bis brutal“, sagt Graschopf. Die Kälte, das Gewicht, die Porosität und Ästhetik des Betons fesseln die Künstlerin.
Die darauf abgebildeten Fotografien zeichnen das Ausgesetztsein einer Person im öffentlichen Raum nach. Und sie schaffen eine Verdoppelung der Architektur, da sich diese nun als Abbild auf demselben Werkstoff wiederfindet, aus dem sie ursprünglich gebaut wurde. Das Material Beton als Bildträger ist ideal, auf dem Foto ebenso abgebildet, wird es nun zum Vermittler der Arbeit, bildet den Körper des Kunstwerks.

Genauso verhält es sich mit dem Material Schleifpapier. Es glitzert, hat eine samtige Optik und sieht nicht so aus, wie es sich anfühlt. Es könnte weich sein, trotzdem aber fühlt es sich rau an, wenn es ertastet wird. Seine Verwendung für das Abschleifen und Abtragen von Oberflächen, die sogenannte Abrasion, ist ein brutaler Vorgang. Das Schleifpapier, ein abrasives Material, ist nach dem Gebrauch zerstört. Als Bildträger dient es Graschopf für die Präsentation ihrer Bildwelten.

Perforationen
Einen eigenständigen und kontinuierlichen Werkkomplex bilden die sogenannten Perforationen. Hier beschichtet die Künstlerin das Papier mit einem weichen Grafitstift (Monolithstift), sie schraffiert die Oberfläche, die abwechselnd auch ein bis zweimal mit einem weichen Tuch poliert wird. Drei bis vier Schichten entstehen somit. Dieser Vorgang ähnelt dem Emulsionsvorgang von Graschopfs Wandbelichtungen. Auch hier wird die Oberfläche des Kunstwerks mit verschiedenen Chemikalien überzogen. Der malerische Akt wird zeichnerisch umgesetzt. Die Arbeit an den Perforationen verlangt ihr viel Sorgfalt und Geduld ab. Auf der Rückseite des mit Grafit beschichteten Papiers, bringt sie ihre Fotos an. Mit der montierten Vorlage auf der Rückseite beginnt sie nun die Konturen der Architektur, der Figuren und der Umgebung auszustechen. Durch das Stechen entstehen Vertiefungen, kleine Krater. Das Sichtbarmachen des Nichtsichtbaren ist auch hier das Grundkonzept des Arbeitsvorganges. Durch die Perforation des Papiers, durch die kleinen Krater, den metallischen Schimmer des Grafitpapiers entwickelt das Bild bei unterschiedlicher Beleuchtung und auch Betrachtung ein Eigenleben. Das reliefierte Bild lässt Konturen sichtbar werden, wölbt sich auf.

Im Gegensatz zur allgegenständlichen Digitalisierung analogisiert die Künstlerin in ihrer künstlerischen Fotografie, distanziert sich von den glatten, sauberen Oberflächen von digitalen Abbildungen auf unseren Bildschirmen und wählt die Umsetzung auf eigentümlichen, aber immer passenden Materialien. Entstanden sind vielgestaltige Fotografien von Wohnanlagen von Le Corbusier und Gino Valle und faschistischer Architektur zur Zeit Benito Mussolinis, die durch ihre soziokulturellen Konzepte den Hintergrund für surreale Bildwelten darstellen, die zum Teil an die Malerei De Chiricos erinnern, die aber auch geheimnisvoll und unheimlich wirken.
Text: Martina Pohn