2C for ART

Heiner Meyer

Lost and Found

Lost and Found by Heiner Meyer

Salzburg. In Teil 2 der diesjährigen Festspielausstellung präsentiert die Galerie 2CforART in Salzburg ab 02. August die neuesten Arbeiten von Heiner Meyer. Die Vernissage findet am Donnerstag, 02. August 2018 ab 19:00 Uhr statt.

In seinem Aufsatz „Postmoderne – Zur Logik der Kultur im Spätkapitalismus“ postuliert der US-amerikanische Literaturkritiker und -theoretiker Frederic Jameson, den Verlust der Tiefendimensionen der westlichen Kultur, abgelöst durch eine neue Oberflächlichkeit. Kultur solle sich in eine alles überziehende, makellose Oberfläche verwandelt haben, der Tiefe fehle. So funktionieren jegliche neuen Objekte und Gegenstände losgelöst von Inhalten, die als Motor einer weiteren Entwicklung stehen könnten.

In seinen Werken beginnt der Maler und Bildhauer Heiner Meyer einen eben solchen Diskurs, widmet sich dem Verlust der Tiefendimension und hinterfragt dieses Postulat. Geschickt und ironisch verweist er auf die unterschiedlichsten Metaebenen in seinen jüngsten Arbeiten.

Heiner Meyers Werk ist vielschichtig und lässt sich nach und nach ergründen. In klassischer Manier stellt er sein kunsthistorisches Wissen in Gemälden dar und präsentiert darin unterschiedliche bekannte kunst- und designhistorische Zitate. Bestimmte Künstler und Werke wählt er immer wieder als Referenz und Ausgangspunkt für seine Arbeiten. So dienen u.a. zwei kubistische Gemälde von Pablo Picasso als Hintergrundmotive des Bildes Balcony with Ocean View (2017), indem ein junges Mädchen in schillernd silbernem Kleid, mit bunten Farben bekleckert, niedlich vor den Bildern, vielleicht für die nächste gepostete Socialmedia-Momentaufnahme der Eltern, posiert.

An der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und als Assistent des Surrealisten Salvador Dalí ausgebildet, beherrscht er sein Handwerk, demonstriert uns in jedem einzelnen Gemälde, den gekonnten Umgang mit lokaler und tonaler Farbe, dem Pinselduktus und den Lichteffekten.

Hyperrealistisch, in nüchterner und profaner Atmosphäre, malt er Luxusgüter und Objekte unserer Begierde und fordert uns auf, die direkte Frage nach dem Wesen der Dinge zu stellen. Manches Mal gekonnt und versteckt doppeldeutig, manches Mal schonungslos direkt, wie in dem Gemälde Pandemie (2017). Unsere vermeintlichen gesellschaftlichen Heilmittel, Gebrauchsgegenstände der großen Luxuslabels, wie Gucci, Prada oder Louis Vuitton, sind als Pillen dargestellt, die der weiblichen Hauptfigur Genesung bringen sollen. Erholung vom Stress und der Hektik des Alltags, von der Oberflächlichkeit unserer konsumorientierten Gesellschaft, der Langeweile oder der fehlenden Tiefgründigkeit? Witz und Gesellschaftskritik fehlen auch in Heiner Meyers Skulpturen nicht. So wird die goldschimmernde Flasche Champagner mit dem heute so beliebten und provozierenden Spruch Save Water, drink Champagne betitelt. Ästhetische Ansätze und Anforderungen an seine Werke ähneln jenen seines Zeitgenossen Jeff Koons. Beide Künstler verbindet die Anforderung an das Werk für die Allgemeinheit absolut lesbar und zugänglich zu sein, einen Erzählstrang zu entwickeln und trotzdem das Vokabular der hohen Kunst nicht auszuschließen.

Konsequent schafft es Heiner Meyer die Strategien und Anforderungen des Kunstmarktes zu berücksichtigen und andererseits auch das Interesse des akademischen und inhaltlichen Diskurses aufrecht zu erhalten.

Beate Reifenscheid weist u.a. auf neue Arbeitsansätze in den jüngsten Arbeiten von 2018 hin und verweist auf die Ästhetik der Affichisten der 1940er bis 1960er Jahre in Frankreich, einer kleinen Streetart-Community. „Anders als die bisherigen glattpolierten Bildflächen, in denen die Wirklichkeit so greifbar nah erscheint (…) fabuliert Heiner Meyer (…) mit bekannten Comic-Figuren wie der Micky Maus (…). Die Oberflächen wirken nicht mehr so unmittelbar und direkt wie in der Werbung, weisen nicht mehr diese faszinierende Tromp l’oil-Manier auf (…), sondern in der gestischen Wischstruktur der Farben schimmern Anleihen aus der Kunstgeschichte durch, die an die Affichisten erinnern lassen.“

Mit viel Ironie und Gesellschaftskritik widmet er sich ebenso der Frage der Ikonisierung von Objekten, Personen und Luxusgütern. Donald Duck, Popeye, ein Stück Sachertorte mit Schlagobers oder der Lounge-Chair von Charles und Ray Eames zeigt Meyer in seinen hyperrealistischen Bildwelten und stellt somit den immensen Einfluss der Werbeindustrie auf unser kollektives Bildgedächtnis und Konsumverhalten in Frage.

Mag. Martina Pohn, Museum der Moderne Salzburg