2C for ART

Deniz Alt

Parallel Vienna

Alte Sigmund Freud Universität

Deniz Alt

Dunkle Romantik – Romantik menschlicher Abwege

Deniz Alt thematisiert in Texten, Installationen und Bildern den Völkermord an Armeniern im Jahr 1915. Damals vertrieb und tötete die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reiches zahlreiche Armenier und Assyrer. Bis heute erkennt die türkische Regierung das nicht als Völkermord an. Alt lernt daraus: Geschichte wiederholt sich. „Das erschreckt mich als Mensch“, sagt der Frankfurter. In seiner Ausstellung fragt er deswegen nach der Anziehungskraft menschlicher Abwege.

„Warum wandeln wir Menschen immer zwischen Genialität, Schrecken und Wahnsinn?“ Alt fragt sich, wie Menschen mit der Ambivalenz umgehen, wieso sie kein Gleichgewicht finden, kein gegenseitiges Verstehen. „Dunkle Romantik“ heißt seine Installation, die er für die Parallel Vienna konzipiert hat.

Deniz Alt stammt aus einer deutschtürkischen Familie und hat armenische Wurzeln. Seine jüngeren Werke zeigen die Protagonisten als verzerrt verschwommene Gestalten, die sich in der Zeitlosigkeit auflösen. Alt fühlt sich in die verfolgten Armenier hinein. In Gedichten und Erinnerungsschriften stellt er nach, was den Menschen wohl durch den Kopf ging, als sie dem Tod ins Auge gesehen haben. Seine Gemälde entstanden auf Grundlage der Texte. Unter anderem auch die in Eis eingefroren Leinwände, die symbolhaft für das Vergängliche des Seins steht.

Immer wieder kommt Alt auf aktuelle Ereignisse in der Welt und in Deutschland zu sprechen. Neben IS-Terror denkt er an Kinderarmut in Deutschland, die Ablehnung von Flüchtlingen oder an den Tod der Studentin Tugçe in Offenbach. „Dunkle Romantik“ stehe für die Anziehungskraft von Gewalt, des Dunklen, von der Zwiespältigkeit des Menschen.

Die Protagonisten der Werke sind vornehmlich Frauen. Alt zeigt sie als starke Menschen. Denn in Konflikten, in denen die Männer radikal ausgerottet werden, seien es die Frauen, die ihre Kultur der Nachwelt überlieferten. „Frauen sind Kämpferinnen und Symbol des Lebens“, sagt Alt.

Der gebürtige Aschaffenburger ist Absolvent der Frankfurter Städelschule. Im kommenden Jahr bringt er das Völkermord-Thema in einer Abschlussausstellung zu Ende. Künstlerisch will er danach aber in der Region bleiben und sich der Geschichte des Gezi-Parks in Istanbul widmen.