2C for ART

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Florian Fausch

Florian Fausch wurde 1981 in Zürich geboren. Sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf absolvierte er 2008 bei Prof. Anzinger mit der Meisterschüler Auszeichnung.

Eine sonnendurchflutete warme Atmosphäre durchstrahlt das großformatige Gemälde, ein dichtes, warmes, tiefes Gelb setzt den farblichen Hauptakzent. In einer Diagonalen von rechts kommend zieht sich ein sachlich kantiges Gebäude mit einer großen Fensterfläche in den Mittelpunkt. Neben und hinter dem Gebäude lassen sich Pflanzen erkennen, Pflanzen, die mehr durch die Wahl der Farbe angedeutet, als durch realistische Formgebung ausformuliert sind. So könnte es gewesen sein auf dem Bild von Florian Fausch. Doch dann muss etwas geschehen sein, etwas, das anmutet wie eine Szene aus einem Science Fiction Film: Glas splittert plötzlich und ohne erkennbare Ursache, die Fensterscheibe ergießt sich in vielen Scherben in die Landschaft und zerschneidet sie, so dass die Umgebung ihrerseits zersplittert und – aufgelöst in harte kantige Flächen – zu einem irrealen, abstrakten Gedanken wird.

Auf eben diesem Grat zwischen Abstraktion und Figuration bewegt sich die Malerei des Düsseldorfer Malers Florian Fausch. Er, der während seines Studiums noch gegenständliche Landschaftsbilder malte, löste im Verlauf seiner künstlerischen Entwicklung diese Wiedererkennbarkeit seiner Themen mehr und mehr auf, ohne sie allerdings je ganz zu negieren. Als Idee verweilt sie – auf ganz konkrete Weise – hinter den Bildern. Bleibt als ein Hauch in ihnen stehen, doch ist niemals so verführerisch nah, dass der Blick des Betrachters sich in der Sicherheit ihrer Erkennbarkeit und Erklärbarkeit wiegen könnte.

Am Anfang eines jeden Bildes steht das konkrete Gerüst in Form einer Fotografie, sei es aus dem Fundus des Künstlers, sei es aus dem Internet, sei es aus einer Illustrierten, sei es aus einem Computerspiel. Als ein Mensch, der wie selbstverständlich mit den neuen Medien aufgewachsen ist, bedient sich Florian Fausch bei der Motivsuche der allgegenwärtigen Bilderflut. Zeichnend kombiniert er die Anregungen aus der Welt der Print- und Internetmedien mit seinen eigenen Ideen. Die Zeichnungen fungieren Fausch als eine Form und Möglichkeit, Gedanken zu formulieren und festzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt und noch intensiver während des Malprozesses lässt er den Gedanken und Motiven freien Lauf, lässt zu und forciert überdies, dass sie sich verselbständigen.

Seit einigen Jahren ist es die Architektur, die Florian Fausch interessiert, wenn auch nicht im Sinne einer realen Darstellung. Allerdings: die Architektur, für Menschen gemacht, wird zu einem hohlen Körper. Fauschs Bildwelten sind menschenleer. Oft steht ein Gebäude wie ein Solitär in einer angedeuteten Landschaft. Anonym, manchmal bedrohlich, dem Menschen abgewandt. Das Gerade, Scharfe und Kantige von Architektur fasziniert den Maler. In seinen Bildern wird Architektur zu Abstraktion in Farbe. Die klar umrissenen scharfen Linien, die sich hart und kantig absetzen vom Rest der Bildwelt, deuten Gebäude mehr an als sie sie tatsächlich abbilden. Die klar umrissenen scharfen Linien setzen sich, ausgehend von der Architektur, in der Gestaltung der Landschaft, des Himmels fort, wenn Fausch diesen wie einen zersplitterten Spiegel in zahlreiche Teile facettiert wider gibt. Räumlichkeit in der Abstraktion entsteht durch die Diagonalen, die den Blick des Betrachters durch die Welt des Bildes leiten. Räumlichkeit gewinnen die Bilder auch durch eben das Motiv der Architektur, wenn diese mit Innen- und Außenräumen spielt, wenn Landschaft und Raum einander durchdringen und so Grenzen aufgehoben werden. Räumlichkeit und Tiefenwirkung entsteht auch durch die spezielle Malweise Fauschs, der Ölfarben fast wie Aquarellfarben einsetzt und sie in dünnen Schichten übereinander setzt, so dass der Blick in die Bildschichten hineinwandern kann. Über die harten klaren Linien setzt er die Farbschlieren und informellen Elementen, die das Bild überziehen und vermeintlich erkennbare Motive verunklaren. Farbe an sich setzt Fausch selten als Mittel der Realitätswiedergabe ein, häufiger ist sie losgelöst vom Gegenstand und dient seiner Abstrahierung. Der Blick des Betrachters wird durch Fauschs Malweise immer wieder und auf unterschiedliche Weise gebrochen: Kaum hat er die Sicherheit des interpretierenden Blicks erreicht, wird sie ihm genommen. Brüche resultieren ebenso aus den ungewöhnlichen Farben, die Fausch mit großer Lust am Experiment mutig gegeneinander setzt: Violett gegen Gelb, Rosa gegen Blau oder gegen Grün. Doch auch das Weiß oder genauer formuliert die grundierte Leinwand spielt in der Farbgestaltung eine wesentliche Rolle. Fausch lässt ganze Flächen grundierter Leinwand stehen, klebt Formen ab und gestaltet um diese herum – im Bewusstsein des Kontrastes, der durch dieses Arbeitsprozess hervorgerufen wird. Betrachtet man die Bilder aus einer gewissen Distanz heraus, entdeckt man in ihnen fast so etwas wie eine gemalte Collage oder eine collagierte Bildererzählung, die uns Realität in ihrer Facettierung widerspiegelt. Immer aber spielt die entstandene Bildwelt mehr mit der Erinnerung an die Realität als mit der Realität selbst.

Text: Sigrid Blomen-Radermacher